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Ein bisschen sehen die Werkstücke, die bei MPT in Mittweida entstehen, aus wie Kronen. Goldfarben glänzend und mit edlem Schimmer, feinstens poliert und auf Hochglänz gebürstet. Manche sind mit einem Durchmesser von bis zu 3200 Millimetern so groß wie für Riesen, andere mit gerade einmal 20 Millimetern so klein wie für einen Zwergenkönig. Doch natürlich sind es keine Kronen, sondern hochpräzise gefertigte technische Bauteile: Wälzlagerkäfige und Gleitlager sind es, die hier in Mittweida entstehen. Und zwar von A bis Z: vom Guss des Rohteils über die mechanische Bearbeitung mit Dreh- und Fräsmaschinen bis hin zur Endverarbeitung und Veredelung.

Kernige Technik vom Guss bis zur Veredlung

Auf dem Hof liegen die Hülsen für den Messingguss, die beim Vorbeigehen noch eine kräftige Wärme abstrahlen. In der Gießerei wird es urig: Hitze, Feuer, Dampf. „Wir fangen hier beim Ursprung an“, sagt Personalleiter Meik Hahn beim Rundgang. Ein Stapler bringt eine große metallene Kanne und fährt damit unter den Schmelzofen. Hier wird das Messing bei 1050 Grad Celsius geschmolzen. „Gefüttert wird der Ofen hauptsächlich mit dem Restmaterial aus unserer eigenen Produktion“, erklärt Meik Hahn. „Wir erhalten ca. 90 Prozent Späne aus unserer Produktion – die kommen alle wieder hier hinein und werden recycelt. Wir haben einen geschlossenen Kreislauf.“

Wenig später läuft das flüssige Metall rotgolden dampfend in die Kanne. Der Stapler bringt diese schnell zu den Gussmaschinen. Nur zwei Mitarbeiter in brandsicherer Schutzkleidung bedienen die automatische Schleudergussstrecke mit sechs Gießmaschinen.

Danach kommen die Rohlinge in die Dreherei, die sich in einer separaten Halle befindet. Riesige Entstaubungs- und Luftfilteranlagen zeigen schon von außen, dass hier gute Arbeitsbedingungen herrschen. Die Hülsen aus der Gießerei – teilweise mehrere Meter im Durchmesser – werden in große Drehmaschinen eingespannt, wo sie in mehrere schmalere Ringe zerteilt werden. In diese Ringe werden dann nach Vorgabe des Kunden die Taschen gefräst. Auf der Bürstenmaschine werden die Werkstücke von allen Seiten entgratet. Nach dem Eintauchen im Ultraschallbad erstrahlen sie in feinstem Glanz – fast wirklich wie edle Kronen.

Die kleineren Käfige werden nicht gefräst, sondern aus Messing- oder Stahlblech gestanzt. Als wir durch die Halle gehen, richten zwei Schichtleiter, die hier im Unternehmen zum Werkzeugmechaniker ausgebildet wurden, gerade eine neue 400-Tonnen-Presse ein. Die Stahlcoils, die durch die mächtige Presse laufen, sind mehrere Zentimeter stark und sehen so gar nicht nach „Blech“ aus. Die Rundform für die Käfige entsteht im Tiefziehverfahren. Die Werkzeuge werden im eigenen Haus hergestellt, selbst anspruchsvolle Folgeverbundwerkzeuge entstehen im firmeneigenen Werkzeugbau.

Neue Wege für optimierte Wertschöpfung

„Wir bilden die gesamte Wertschöpfungskette im eigenen Haus ab“, betont der geschäftsführende Gesellschafter Josef Schwuger, der das 1895 gegründete Traditionsunternehmen 2016 vom damaligen Eigentümer kaufte. „MPT hat viele spannende Technologien und eine Fülle an Möglichkeiten. Überzeugt hat mich der Kreislauf, in dem sich das wertvolle Material hier dreht“, sagt er.

Der Vollblutunternehmer hat das Unternehmen einem grundlegenden Wandel unterzogen. Mit einer beachtlichen Investition konnten die Energiekosten um circa 20 Prozent gesenkt werden. Das erhöht nicht zuletzt auch die Wettbewerbsfähigkeit. Das Entscheidende sind für den Geschäftsmann immer die Mitarbeiter. „Der Mensch ist das flexibelste Werkzeug“, betont er. MPT bildet aus, hat sogar eine eigene Lehrwerkstatt. Die Azubis lernen hier nicht nur fürs Fach, sondern fürs Leben. So stand auch schon ein Besuch in einer Entzugsklinik auf dem Ausbildungsprogramm, um die jungen Menschen für die Gefahren von Drogen zu sensibilisieren. Dennoch geht die Zahl der Lehrlinge zurück. „Die Arbeit hier ist manchmal schwer, doch immer befriedigend. Bei uns sollen die Mitarbeiter nicht nur Maschinen bedienen, sondern sie auch einrichten können, CNC-Programme schreiben, eigene Werkzeuge bauen. Wir brauchen hier Menschen, die den Willen mitbringen, etwas mit ihren Händen zu schaffen.“

„Die Frage ist: Wollen das unsere jungen Menschen noch? Oder müssen wir andere Wege gehen?“, sinniert Josef Schwuger nachdenklich. In seiner Heimat Baden-Württemberg hat er hervorragende Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht. In einem gemeinsamen Projekt mit der IHK wurden mehr als 200 Menschen mit Migrationshintergrund in einer verkürzten Ausbildung von Paten im Unternehmen zu wertvollen Fachkräften herangebildet – mit großem Erfolg. „Man kann Menschen nur durch Arbeit integrieren“, ist Josef Schwuger überzeugt. Ein ähnliches Projekt würde er auch gern in Mittelsachsen auf die Beine stellen.

Den Wert der Arbeit schätzen

„Man muss stolz sein auf seine Arbeit und ihren Wert zur Schau stellen“, ist der Visionär überzeugt. Integrität, Ehrlichkeit und Verantwortung sind für ihn entscheidend. „Ich war ein schlechter Mitarbeiter“, lacht der 62-Jährige. „Schon in jungen Jahren war mir klar, ich muss was Eigenes auf die Beine stellen.“ Der in Schlesien geborene Unternehmer ist ein Weltbürger. Seine MPT Group ist an sieben Standorten rund um den Globus vertreten – in Deutschland und Polen, den USA, China und Brasilien.

Ihm ist es ein Herzensanliegen, dass das Kapital hier im Lande bleibt. „Es kann nicht sein, dass Fördermittel für einen Windpark in Sachsen fließen, und dann ist kein einziges sächsisches Unternehmen bei dem Projekt am Start!“, schimpft er. Ihn ärgert es, dass die Industrie zunehmend nach Asien abwandert. „Und doch haben wir mehrere Kunden in China, die hier bei uns in Deutschland fertigen lassen – weil sie diese Präzision anderswo nur schwer bekommen.“

An dieser Stelle möchte Herr Schwuger seiner ganzen Mannschaft für deren aktive Mitarbeit danken. „Ohne unsere Mitarbeiter wäre dies alles nicht möglich. Sei es in der Fertigung, im kreativen und innovativen Bereich des Produktmanagements und der Konstruktion oder im Vertrieb.“ Dessen räumliches und branchenübergreifendes Wachstum in den letzten Jahren hat wesentlich zur Entwicklung des Unternehmens beigetragen. Besonders das Team um Alexander Ludwig hat in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stets den Kontakt zum Kunden gehalten und neue Wege aufgetan, damit die MPT Produkte und Lösungen anbieten kann.

Branche

Metallbearbeitung und -umformung

Leistungen / Produkte:

einer der größten europäischen Hersteller von Messing- und Stahlkäfigen für Wälz- und Gleitlager

Anzahl Mitarbeiter:

ca. 190

Gründungsdatum:

1895 als Gravierwerk gegründet, zu DDR Zeiten WKM Wälzlagerkäfigwerk Mittweida, 1993 neu gegründet

Besonderheit:

Die MPT Group hat 7 Standorte weltweit: in Deutschland, Polen, China, USA und Brasilien.

- fast vollständige Kreislaufwirtschaft

- komplette Wertschöpfungskette im eigenen Haus

- Werkstückgrößen von 20 bis 3200 Millimeter Durchmesser

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Aus dem Schmelzofen fließt das über 1000 Grad heiße Messing.
Metallbearbeitung in Urform: Aus dem Schmelzofen fließt das über 1000 Grad heiße Messing, das dann bei 200 bis 1200 Umdrehungen pro Minute im Schleudergussverfahren zu großen Hülsen gegossen wird.

Auf der Drehmaschine werden aus dem Rohling mehrere Ringe ausgestochen.
Auf der Drehmaschine werden aus dem Rohling mehrere Ringe gestochen, in die dann die Vertiefungen eingefräst werden.

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