Der Ressourcenretter

Philipp Büttners Leidenschaft sind Halden. Denn in den Abraumhalden des Bergbaus stecken wertvolle Metalle, die sich auf intelligente Weise rückgewinnen lassen. Und damit gleich dreifachen Nutzen bringen: ökologisch, wirtschaftlich und ressourcentechnisch. „Oft werden Bergbauhalden als reines Umweltproblem gesehen“, sagt der Geoökologe. „Doch wenn man Umwelt und Ressourcen zusammen betrachtet, kann man fast Zero Waste erreichen: Schadstoffe werden beseitigt, wertvolle Rohstoffe extrahiert und die Reststoffe kann man beispielsweise im Bau verwenden.“ Mit dieser Idee bewarb er sich gemeinsam mit seinem Team vom Helmholtz-Institut Freiberg unter dem Projektnamen rECOmine beim bundesweiten Förderprojekt WIR! – Wandel durch Innovation in der Region –, das mit mehreren Millionen Euro dotiert ist. Das rECOmine-Bündnis schaffte es unter die bundesweit 15 Sieger. „Das war ein sehr bewegender Tag in meinem Leben“, erzählt Philipp Büttner, der nun als Projektkoordinator alle Fäden zusammenführt. Bisher haben mehr als 60 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft ihr Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet – darunter die Deutsche Lithium, die Saxonia Standortentwicklungsgesellschaft in Freiberg und die Nickelhütte Aue. Auch das Freiberger Start-up RMF ist mit von der Partie. „Der Bergbau hat einen hohen identitätsstiftenden Stellenwert in unserer Region“, sagt der Projektkoordinator, der an der TU Bergakademie Freiberg Geoökologie studierte. „Wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, gelingt es, aus unserer Geschichte heraus Neues zu erzeugen.“ Seine Vision ist klar: „Wir wollen Menschen, Unternehmen und Institutionen zusammenbringen. Und wir wollen weltweit sichtbar werden – auf Basis der Sachen, die wir HIER machen, die wir GERN machen und die wir GUT machen.“

Mit dieser Philosophie hält es der 33-Jährige auch in seinem eigenen Leben. „Geografie war schon in der Schule mein Lieblingsfach“, erzählt er. „Doch eigentlich wollte ich Schauspieler werden.“ Während seines Studiums jobbte er am Freiberger Theater als Bühnentechniker, begann Filme zu drehen und machte sich später sogar als Bühnentechniker selbstständig. Bis heute sind Film und Schauspielerei seine zweite Leidenschaft – und ihm gelingt es, diese mit seiner Forschungsarbeit zu verbinden: Als Regisseur dreht er Erklärfilme für Forschungsprojekte. Hier sieht er deutliche Parallelen zu seiner Arbeit als Projektkoordinator: „Beides ist wie ein großes Puzzle, das es zusammenzusetzen gilt. Mit jedem Teil kann sich das Gesamtbild wieder ändern. Wichtig ist, dass man das große Ganze vor Augen hat: die Vision.“

Wie sich viele kleine Teile am Ende zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen, weiß der gebürtige Oberlausitzer lebhaft zu erzählen: „In der Schule war ich nie ein Musterknabe. Meine Hausaufgaben habe ich immer in der Pause davor gemacht, beim Abi hatte ich einen Schnitt von 2,7. Dass ich mal promovieren würde, hätte ich nie geglaubt. Auch beim Studium interessierte mich erstmal alles andere als das Lernen: Ich jobbte am Theater und an der Bar, machte oft die Nacht durch, wohnte in WGs mit Leuten aus aller Herren Länder. Zum Ende der Regelstudienzeit hatte ich 15 offene Prüfungen. Und doch sind es genau diese Erfahrungen, die mir heute als Projektkoordinator zugutekommen: Ich weiß, wie man arbeitet, auch unter Druck. Ich habe viele Freunde in anderen Ländern, von deren internationalen Netzwerken ich auch beruflich profitiere. Das ist der Vorteil einer kleinen Uni: Man trifft die Leute immer wieder. So entwickeln sich echte Freundschaften, die sich später als wertvolle Kontakte erweisen. Das ist wirklich Gold wert!“

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