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„Das Berufliche Schulzentrum (BSZ) Julius Weisbach ist ein innovativer Bildungsstandort in Mittelsachsen“ – dieses Fazit zieht Landrat Sven Krüger bei seinem Besuch im Schachtweg in Freiberg.

Im August startete das Projekt „KomZuMint“ in Kooperation mit der TU Bergakademie Freiberg. Dabei können interessierte Absolventinnen und Absolventen der Oberschule und junge Berufstätige (Facharbeiter) eine fachgebundene Hochschulreife Technik zum Einstieg in MINT-Bachelorstudiengänge erwerben. MINT bedeutet: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Seit dem Schuljahr 2023/24 besteht am größten BSZ in Trägerschaft des Landkreises eine Fachklasse für angehende Produktionstechnologen. Dafür wird auch Technik genutzt, die durch die Initiative Transformation der Automobilregion Südwest Sachsen – kurz ITAS, gefördert wird.  Es entsteht eine kleine Produktionslinie, die zukünftig Unternehmen außerhalb des Unterrichts für Schulungen zur Verfügung steht. „Wir haben als Schulträger großes Glück so engagierte Lehrerinnen und Lehrer zu haben, die den Blick für Neuerungen, Fördermöglichkeiten und Kooperationen haben“, so Krüger. Man spüre die enge Verzahnung von Wirtschaft, Schule und auch der Verwaltung. Bei seinem Besuch waren auch Vertreterinnen der IHK und der Siltronic AG sowie der zuständige Erste Beigeordnete Dr. Christoph Trumpp dabei. Dieser betont: „Hier ziehen alle an einem Strang, um den Standort nach den Bedarfen der Unternehmen bzw. des Marktes weiterzuentwickeln. Der Freistaat ist hier sehr offen und unterstützt uns dabei.“ Denn für die Auszubildenden ist der Standort der Berufsschule ein wichtiger Faktor. Die Rahmenbedingungen in Freiberg mit einem eigenen Internat seien sehr gut. Am BSZ arbeiten 80 Lehrerinnen und Lehrer, die rund 1 400 Auszubildende sowie Schülerinnen und Schüler unterrichten.

Die neuen Angebote im Überblick:

Produktionstechnologe

Die ersten Produktionstechnologen – zehn Männer – haben 2023 ihre Ausbildung begonnen. Im vergangenen Schuljahr waren es acht Männer, für das Schuljahr 2025/26 liegen dem BSZ in Freiberg zwölf Anmeldungen vor, insgesamt sind es in Sachsen 16. Die vier weiteren Schüler werden im ersten Lehrjahr wohnortnah an den Standorten für Mechatroniker beschult und wechseln zum zweiten Ausbildungsjahr nach Freiberg. Der Beruf Produktionstechnologin bzw. Produktionstechnologe ist eine vergleichsweise junge, aber hochmoderne Ausbildung in der Industrie.

Produktionstechnologen sind Experten für die Einrichtung, Überwachung und Optimierung von Produktionsanlagen. Ihre Aufgaben sind vielfältig und umfassen unter anderem: Planung und Einrichtung von Produktionsprozessen, Prozessoptimierung, Qualitätssicherung und -kontrolle, technische Analyse und Fehlerbehebung sowie Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen. Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Ausbildungsinhalte sind unter anderem: Grundlagen der Fertigungstechnik und Automatisierung, Werkstoffkunde und Messtechnik, Steuerungs- und Regelungstechnik, Arbeitsplanung und Prozessgestaltung sowie Qualitätsmanagement und Dokumentation. Produktionstechnologen finden Beschäftigung in zahlreichen Industriebranchen, vor allem dort, wo komplexe Produktionssysteme und automatisierte Abläufe zum Einsatz kommen: Automobilindustrie, Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik und Elektronik, Luft- und Raumfahrt, Kunststoffindustrie, Halbleiterindustrie, Lebensmittelindustrie und Medizintechnik.

Mit wachsender Bedeutung von Industrie 4.0, Digitalisierung und Automatisierung gewinnt dieser Beruf zunehmend an Bedeutung. Die beruflichen Perspektiven sind sehr gut, auch in Bezug auf Spezialisierung und Weiterbildung.

KomZuMINT

Im Angebot ist ein zweijähriger Bildungsgang, der intensiven Fachunterricht mit praktischen Erfahrungen verbindet. In diesem Jahr sind 16 Frauen und Männer dabei. Fächer wie Mathematik, Angewandte Physik, Chemie, Informatik und Technologie bereiten auf das Studium vor und die Fachpraxis bietet Einblicke an der TU Bergakademie Freiberg (TUBAF).  Aufnahmevoraussetzung ist der Realschulabschluss, es gibt keine Altersbegrenzung. Die Stundentafel umfasst im Profilbereich Mathematik, Angewandte Physik, Informatik, Chemie und Technologie sowie die Fächer Deutsch, Englisch und Geschichte/ Gemeinschaftskunde. Die Fachpraxis findet im Schuljahr in vier Blöcken zu jeweils zwei Wochen an der TUBAF statt. Der Abschluss ist die Fachgebundene Hochschulreife in der Fachrichtung Technik. Mit diesem Abschluss sind in allen Ländern in der Bundesrepublik Deutschland sowohl ingenieurwissenschaftliche und technologische Bachelor- und Masterstudiengänge als auch Lehramtsstudiengänge für allgemeinbildende und berufliche Schulen in technologischen Fächern als berufliche Fachrichtungen und Fächerverbindungen mit Chemie, Informatik, Mathematik und Physik möglich.

Lern- und Experimentierraum

Betriebe in Südwestsachsen, die in ihrem Unternehmen direkt oder indirekt von der Transformation der Automobilzuliefererindustrie betroffen sind, haben die Möglichkeit das über die ITAS geförderte Labor am BSZ kostenfrei zu nutzen. Der Lern- und Experimentierraum bietet betroffenen Unternehmen die Chance, den Fachkräftenachwuchs fit für die Zukunft zu machen. Die Ausrüstung erfolgt unter Mitwirkung regionaler Unternehmen. Da die Technik mit den Auszubildenden aufgebaut und in Betrieb genommen wird, ist mit einem Einsatz frühestens im Dezember 2025 zu rechnen. Die Nutzungsmöglichkeiten können direkt mit dem BSZ abgesprochen werden.