Wilde Kräutergenüsse auf dem Hof Landsprosse

1989 kam der Hof zurück in Familienbesitz und hat sich seitdem in ausdauernder und liebevoller Handarbeit Stück für Stück zu einem Kleinod entwickelt. „Ich bin auf dem Bauernhof groß geworden, habe dann aber viele Jahre in Leipzig gelebt. 2008 habe ich gerne die Chance genutzt, den Hof meines Vaters zu übernehmen. Es ist schön, zurück in meiner alten Heimat zu sein“, sagt Sonja Schulze. „Meine Aufgabe sehe ich darin, den Hof für die nächste Generation als liebenswerten Platz zu erhalten.“

Ihr zweites Leben auf dem Hof begann mit der Zucht und dem Verkauf von Sprossen. Sie geben ihm bis heute seinen Namen, „Landsprosse“, auch wenn sie längst keine Rolle mehr spielen. Denn inzwischen konnte Sonja Schulze ihr Hobby, die Wildkräuter, zu ihrer Hauptbeschäftigung machen. Und so wachsen in und rund um den Hof Landsprosse jede Menge aromatische Kräuter und essbare Blüten, die sie an Gastronomen verkauft. Aber natürlich können auch Privatpersonen bei ihr vorbeikommen, um Kräuter zu pflücken. Neben einem kleinen Bio-Ackerbau sind ihre zwei Ferienwohnungen ein weiteres Standbein. So können ihre Gäste beispielsweise dort, wo einst der Pferdestall war, in modern eingerichteten Räumen schlafen. „Wer als Gast zu mir auf den Hof kommt, soll aus der Zeit fallen können und ganz in Ruhe entschleunigen.“

Aber warum eigentlich Wildkräuter? „Wir haben die ganze Welt im Supermarkt, aber viele wissen nicht, was auf unseren Wiesen Einzigartiges wächst“, bedauert Sonja Schulze. Und genau das möchte sie ändern. „Jeder kann sich ganz einfach Gesundheit jeden Tag frisch auf den Teller holen“. Ob Zitronenverbene und Melisse als erfrischender Tee, Gänsekresse und Hirschhornwegerich im Salat oder Giersch im Kräuterquark – die Vielfalt an Verwendungsmöglichkeiten der Kräuter ist schier unerschöpflich – und Sonja Schulze kennt wohl (fast) alle. Für ihre Gäste hat sie jede Menge Tipps parat. Kennt man sich aus, sind rund 80 Prozent der Kräuter, die auf der Wiese wachsen, essbar. „Und ihr Geschmack ist unvergleichlich. Nicht zu vergessen die vielen wertvollen Inhaltsstoffe.“

Schon ihre Mutter hat früher viel mit Wildkräutern gekocht. Und so sind die Rezepte, die Sonja Schulze heute ausprobiert und weiterentwickelt, oft mit Erinnerungen an die eigene Kindheit verbunden. Ihr Wissen über die Welt der Wildkräuter und ihre mitunter giftigen Doppelgänger gibt sie bei Wildkräuterspaziergängen, Teamtagen für Firmen oder Projekttagen für Schulklassen gerne weiter. Oder es werden in Gruppen Kräuter gesammelt, die dann bei einem Brunch gemeinsam zubereitet und gegessen werden.

Mit ihren Angeboten möchte Sonja Schulze vor allem die Menschen in ihrem direkten Umfeld ansprechen – und das kommt gut an. Nicht nur die Frauen, die zu ihr kommen, schätzen die aromatische Kräuterküche. „Es ist auch immer wieder ein schönes Kompliment, wenn Männer, die eigentlich nur anderen zuliebe mitgekommen sind, mir sagen, dass es ihnen geschmeckt hat. Und es ist toll, dass das alles genau hier im Landkreis Mittelsachsen, in meinem Zuhause, so gut für mich funktioniert.“

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