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Was mit unserem Müll wirklich passiert

Doch wie geht es dann weiter mit dem Abfall, der im Bauch des Müllautos verschwindet? Was passiert mit all den Sachen aus der schwarzen, gelben und blauen Tonne? Und wie sieht es hinter den Kulissen des Entsorgungsbetriebes aus? Das wollen wir wissen – und freuen uns auf den Besuch bei Katja Kempe, Niederlassungsleiterin von Becker Umweltdienste am hochmodernen Standort Bobritzsch-Hilbersdorf.


Die energiegeladene junge Frau empfängt uns strahlend, denn erst kürzlich hat das Unternehmen den Zuschlag zur Abfallentsorgung im Landkreis Mittelsachsen für die nächsten sieben Jahre mit Option zur vierjährigen Verlängerung bekommen. Somit bleiben die Abfallgebühren weiterhin stabil – was für eine gute Nachricht!


Als Erstes führt uns Katja Kempe aufs Dach. Von oben hat man einen eindrucksvollen Überblick über die Vielzahl der Fahrzeuge, die sich am späten Nachmittag auf dem Hof versammeln. In ihrer unterschiedlichen Ausstattung verkörpern sie anschaulich die Vielfalt der Dienstleistungen, die Becker Umweltdienste anbietet: Von Kehrmaschinen und Winterdienstfahrzeugen über die Abholung von Mülltonnen, Containerdienst und Saugleistungen zur Entsorgung von abflusslosen Gruben und Leichtflüssigkeitsabscheidern aus Gastronomie und Industrie sowie sonstigem Abwasser und Bohrschlämmen bis hin zu gefährlichen Abfällen. „Der Zauber bei Becker liegt in der Bandbreite der Dienstleistungen“, sagt Katja Kempe mit stolzem Blick über den Fuhrpark.

Wie geht’s weiter mit dem Abfall?

„Es gibt so großartige Recyclingverfahren zur Aufbereitung. Einige davon unterstützen und entwickeln wir auch gemeinsam mit Instituten und Universitäten der Region. Es ist immer wieder schön zu sehen, welche Wert- und Rohstoffe sich aus dem vermeintlichen Abfall gewinnen lassen.“

„Wir sehen Abfall als wertvolle Ressource für die Kreislaufwirtschaft“,

Katja Kempe, Niederlassungsleiterin Becker Umweltdienste

So kommt der Inhalt der Biotonnen in ein regionales Kompostwerk und nach wenigen Wochen kann die frische Erde daraus verkauft werden. Der Abfall aus den Restmülltonnen geht direkt in die thermische Verwertung zur Strom- und Wärmegewinnung. Aus dem Papier in den blauen Tonnen entsteht in einem geschlossenen Kreislauf neues Papier – so zum Beispiel Wellpappenrohpapiere, welche in umliegenden Papierfabriken hergestellt werden. Aus Glas wird wieder Glas – und ja, es ist wichtig, Weiß- und Braun- bzw. Grünglas getrennt zu entsorgen, bestätigt Katja Kempe. Auf dem Glassammelfahrzeug befindet sich ein Doppelkammerbehälter, der je nach Farbe getrennt das Altglas erfasst, welches dann sortenrein weiterverarbeitet wird.

Für die Entsorgung von Lampen gibt es in Brand-Erbisdorf mit der BEC Becker Elektrorecycling Chemnitz GmbH – Niederlassung LAREC sogar ein eigenes Spezialunternehmen. Hier werden Leuchtstoffröhren, Neon- und Halogenlampen in ihre Bestandteile zerlegt und den einzelnen Wertstoffkreisläufen zugeführt. Der Inhalt der gelben Leichtstofftonnen wird am Becker Anlagenstandort Langenau angeliefert und über eine moderne Sortieranlage zu Ersatzbrennstoffen für energieintensive Industrien verarbeitet. Der Müll läuft über lange Sortierbänder mit elektronischen Sensoren, die z.B. Holz und Metall erkennen. Alles andere wird händisch aussortiert. „Ja, das sollten sich alle mal auf der Zunge zergehen lassen“, sagt Katja Kempe. „Es ist schon manchmal erstaunlich, was alles in welcher Tonne landet: Katzenstreu und vier Wochen alte Hähnchenfilets im gelben Sack, Winterreifen in den Altkleidern … und alles wird von unseren Mitarbeitenden von Hand aussortiert!“ Vielleicht ist das ein Anreiz, beim nächsten Mal genauer hinzuschauen.

Traumberuf Müllwerker

Die Mitarbeitenden sind der große Schatz des Unternehmens. Alle sind mit Begeisterung dabei und richtig stolz darauf, Teil dieser Kreislaufwirtschaft zu sein. „Der Beruf des Müllwerkers ist vielleicht nicht das Coolste, was man sich vorstellen kann“, gibt Katja Kempe lachend zu, „doch die, die bei uns sind, sind es mit ganzem Herzen. Viele haben schon als Kind am Zaun gestanden und mit großen, staunenden Augen den Müllautos zugeschaut. Nun dürfen sie selbst eins fahren. Manche sind schon seit 40 Jahren hier bei uns. Sie schätzen den Zusammenhalt und ihren Partner auf dem Fahrzeug. Wir achten sehr darauf, dass die Chemie stimmt und die Beziehungen stabil und harmonisch sind.“


Die Arbeit hier ist ebenso vielfältig wie das Dienstleistungsspektrum von Becker Umweltdienste. Es lockt ein riesiger Fuhrpark und eine moderne Werkstatt zum Schlossern. Die Firma bildet jedes Jahr Berufskraftfahrer aus und übernimmt die Kosten für den PKW- und LKW-Führerschein, den Staplerschein und Kran- und Gefahrgutbefähigungen, welche in der eigens errichteten BECKER Akademie in Burgstädt unterrichtet werden. Die Ausbildung als vollwertiger Berufskraftfahrer abzuschließen ist für viele junge Leute ein echtes Schmankerl – wie cool, wenn man schon mit 20 so einen großen LKW lenkt! Der Job steht für Abwechslung, hält fit, bringt viel Bewegung und faire Bezahlung, man ist viel draußen an der frischen Luft und pünktlich zu Hause.

Auf den Ausbildungsmessen des Landkreises und bei „Schule macht Betrieb“ kommen diese Vorteile gerade bei jungen Menschen besonders gut an. „Die Netzwerke über die Wirtschaftsförderung Mittelsachsen sind für uns unglaublich wichtig, um unsere Branche sichtbar zu machen“, sagt Katja Kempe. „Wir sind überall dabei – auch bei den Job- und Karrieretagen und der Woche der offenen Unternehmen.“

Anreize für Umweltverbesserer

Und noch eine Sache liegt Katja Kempe sehr am Herzen: Das soziale Engagement in der Region. So stellt Becker Umweltdienste kostenfreie Container für Sammelaktionen wie den CleanUp Day zur Verfügung, bei dem Organisationen und Kommunen zum Müllsammeln aufrufen. Außerdem kommen die Müllwerker supergern mit ihren Fahrzeugen in Schulen und Kindergärten, wo die kleinen Umwelthelden alle Fragen zur Abfallentsorgung stellen können – und natürlich auch mal ins Müllauto gucken. Bei der Aktion www.umweltverbesserer.org können Vereine aus der Region ihre Maßnahmen zum Umweltschutz vorstellen und sich um ein Preisgeld von bis zu 3.000 Euro bewerben. Die Bandbreite der preisgekrönten Aktivitäten reicht von Baumpflanzungen über Müllsammelaktionen mit Kindern bis hin zu Grillfesten ohne Plastikgeschirr. „Jeder kann etwas tun, um die wertvollen Rohstoffe im Kreislauf zu halten“, resümiert Katja Kempe.

„Von Abfall zu Wertstoff: Kreislaufwirtschaft macht’s möglich!“

Katja Kempe


Unternehmensprofil | Becker Umweltdienste

Branche:

Abfallwirtschaft, Recycling und Entsorgung

Leistungen | Produkte:

Abfallentsorgung, Recycling, Containerdienst, Sonderabfallmanagement u.a. für Lacke, Farben, Lösemittel und gefährliche Abfälle, Lampenrecycling, Herstellung von Ersatzbrennstoffen

Anzahl der Mitarbeiter:

800 Mitarbeiter bei Becker Umweltdienste, insgesamt 2500 in der gesamten Jacob Becker Gruppe. Rund 130 davon sind im Freiberger Logistikteil auf 64 Fahrzeugen im Einsatz.

Gründung:

Die Jakob Becker Gruppe wurde 1898 in Kaiserlautern gegründet. Seit 1990 als Becker Umweltdienste in der Region tätig, hervorgegangen aus den VEB Stadtwirtshaften.

Besonderheit:

Die Jakob Becker Gruppe entsorgt den Abfall in 323 Landkreisen. Das Unternehmen braucht in dieser Größe eine Konzernstruktur, ist jedoch bis heute familiengeführt. Das zeigt sich in der Firmenphilosophie und im Unternehmensalltag deutlich.

 

In Mittelsachsen betreibt Becker Umweltdienste 5 Standorte: in Mittweida, EGD Döbeln, Brand-Erbisdorf, Langenau und Freiberg/Bobritzsch-Hilberdsdorf


Portrait Katja Kempe
Katja Kempe ist gelernte Speditionskauffrau, studierte berufsbegleitend BWL und ist seit vielen Jahren in der Abfallwirtschaft tätig. Seit 2020 leitet sie die mittelsächsische Niederlassung von Becker Umweltdienste mit viel Freude, Engagement und Durchsetzungskraft. © Dr. Sternkopf media group

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