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Edelmetalle im Kreislauf: Recycling mit Präzision

Beim Blick in den Spiegel denken wohl die wenigsten darüber nach, woher die perfekt strahlende Metalloberfläche eigentlich kommt. In vielen Fällen beginnt die Geschichte in Mittelsachsen – bei der SAXONIA Edelmetalle GmbH. Denn Silber ist bei weitem nicht nur Schmuck oder Wertanlage, sondern ein Werkstoff, der im Alltag überall auftaucht: in Spiegeln und Glas, in Schaltern und Sicherungen, in der Sensorik und Medizintechnik – und in industriellen Prozessen, die ohne Edelmetalle nicht auskommen.

„Wenn Sie in einen Spiegel schauen, sehen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Silber von uns“, sagt Björn-Erik Bock, Abteilungsleiter Vertrieb. Was nach einem großen Satz klingt, bekommt schnell konkrete Konturen: SAXONIA liefert silberhaltige Chemikalien für die Spiegelindustrie und die Galvanik, inklusive Spezialchemikalien wie Silbercyanid und Kaliumcyanid.

Dazu kommen Anwendungen, die man nicht sofort mit Edelmetallen verbindet: beispielsweise der Schnellentwickler in Sofortbildkameras oder antibakterielle Wundauflagen mit Silbergewebe. „Unser Silber rettet Leben“, bringt Bock diesen Gedanken auf den Punkt. Silber ist dabei nur ein Teil des Spektrums. Neben Silber spielen Platin, Palladium und Rhodium eine zentrale Rolle – vor allem dort, wo extreme Temperaturen, hohe Leitfähigkeit oder besondere Oberflächeneigenschaften gefragt sind.

Recycling, das nach Ofen riecht

Edelmetalle sind Hightech – und zugleich ein Geschäft, das Vertrauen, Erfahrung und absolute Präzision voraussetzt. Was die SAXONIA Edelmetalle GmbH am Standort Freiberg/Halsbrücke besonders macht, ist der konsequente Blick auf Kreisläufe. Im Gespräch betont Bock: Es kommt kein Primärmaterial „aus der Mine“ hinein – stattdessen wird verarbeitet, was Industrie und Alltag zurücklassen: Autokatalysatoren, Elektronikschrott, Kondensatoren, Aschen, Schlämme oder Gekrätze.

„Recycling ist harte Arbeit“, sagt er. Und doch liegt genau darin eine der großen Stärken: SAXONIA bildet am Standort Freiberg einen vollständigen Hüttenprozess ab – inklusive pyrometallurgischer Schritte, also dem klassischen Schmelzen im Ofen. Im Ofen schließen sich Edelmetalle an ein „Sammlermetall“ an – häufig Eisen, weil es sich leicht legieren lässt. „Ehe ich an Keramik herumdümper, gehe ich doch lieber gleich zu meinem Freund Eisen“, zitiert Bock schmunzelnd diese Logik der Metallchemie.

Danach folgt ein Schritt, den man aus der Küche kennt: Im Raffinationsofen trennen sich Schmelzen durch die unterschiedliche Dichte. Das Leichtere schwimmt oben, das Schwerere sammelt sich unten – wie beim Dekantieren, bei Öl-Wasser-Gemischen oder, bei Kiba oder Gänsefett.

Am Ende übernimmt die Nasschemie: elektrolytische Verfahren und weitere Schritte, mit denen Metalle voneinander getrennt und auf höchste Reinheit gebracht werden. Dahinter steckt ein Plan, der bei jedem Materialmix neu gedacht werden muss – und ein Team, das genau weiß, bei welcher Temperatur und mit welchem Energieeinsatz die besten Ergebnisse entstehen.

Weltmarkt-Standards aus Mittelsachsen

Die SAXONIA Edelmetalle GmbH führt die Tradition der Edelmetallgewinnung und -verarbeitung in der Freiberger Region seit Anfang des 17. Jahrhunderts fort und deckt den gesamten Kreislauf von der Rückgewinnung bis zur Wiederverarbeitung ab. SAXONIA ist im Edelmetallhandel nach „Good Delivery“-Standards akkreditiert und an der Londoner Edelmetallbörse zugelassen. Auch das Thema verantwortungsvolle Lieferketten ist fest verankert: So bezieht Saxonia die Edelmetalle ausschließlich aus gewerblichen Quellen und trägt somit zu hohen Compliance-Standards bei. Dass diese internationalen Standards in Mittelsachsen entstehen, ist kein Zufall. SAXONIA, gegründet 1612, ist eine der ältesten Scheideanstalten Deutschlands.

Mittelsachsen als Kompetenzraum

Aktuell beschäftigt die SAXONIA Edelmetalle GmbH über 300 Mitarbeitende in der Region. Für die Belegschaft ist Freiberg ein Magnet. Viele Fachkräfte kommen von der TU Bergakademie Freiberg – eine perfekte Symbiose im Metall- und Hüttenwesen. Kooperationen mit mittelsächsischen Unternehmen spielen eine wichtige Rolle. Auch intern setzt Saxonia auf Bindung und Kultur. Lange Betriebszugehörigkeiten sind keine Ausnahme. Manche Mitarbeiter sind seit über 40 Jahren schon dabei. Und weil im Edelmetallgeschäft jeder Handgriff zählt, spielt Vertrauen eine besondere Rolle: Ein kurzer Schnack in der Werkhalle gehört genauso dazu wie strenger Arbeitsschutz – gerade dort, wo mit sehr hohen Schmelztemperaturen gearbeitet wird.

Dass Wachstum und Integration zusammengehen können, zeigt ein Kapitel der jüngeren Entwicklung: Im Kontext einer Standortbündelung kamen auch rumänische Kollegen mit nach Mittelsachsen, die ihre Maschinen bereits kannten; Saxonia unterstützte beim Ankommen, inklusive Sprachkursen und Hilfe bei der Wohnraumsuche.

Am Ende ist es genau diese Mischung, die Saxonia in Mittelsachsen so besonders macht: Hightech und Handwerk, Kreislaufwirtschaft und jahrhundertealtes Hüttenwissen – und dazwischen Menschen, die sich mit dem Standort wirklich identifizieren. Viele Mitarbeiter kommen jeden Tag mit einem Lächeln auf Arbeit – und da ist er wieder, der Blick in den Spiegel, der mit hoher Wahrscheinlichkeit Silber aus Freiberg in sich trägt.


Unternehmensprofil | Saxonia Edelmetalle GmbH

Branche:

Edelmetall-Recycling, Edelmetallverarbeitung und Edelmetallhandel

Leistungen | Produkte:

Silberchemikalien für Industrieanwendungen (u. a. Spiegel/Versilberung, Galvanik), Halbzeuge (Bleche, Bänder, Drähte, Rohre, Anoden, Targets, Präzisionsbänder), Kontaktteile und Komponenten sowie Edelmetallhandel

Produktfelder u. a. Recycling, Chemikalien, Halbzeuge, Platingeräte, Kontakte und Teile
Rückgewinnung von Gold, Silber, Platin, Palladium, Rhodium und Iridium aus Konzentraten, Schrotten und Rückständen

Beschäftigte:

über 300

Gründung:

Tradition seit 1612, eine der ältesten Silberscheideanstalten Deutschlands

Besonderheit:

Vollständiger Hüttenprozess (pyrometallurgisch + nasschemisch), konsequente Kreislaufwirtschaft durch Verarbeitung von Sekundärmaterialien sowie internationale Handelbarkeit nach Good-Delivery-Standards


Einblicke hinter die Kulissen

Die in Freiberg/Halsbrücke hergestellten Vollmetalle werden geprägt – mit dem Namen SAXONIA, einer Referenznummer, der Bezeichnung des Edelmetalls und dem einprägsamen Logo der SAXONIA, das drei traditionelle Hüttenwerkzeuge zeigt. © Saxonia Edelmetalle GmbH

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