Prof. Dr. Michael Eßlinger – Unternehmer, Honorarprofessor und Mitglied des Beirates für die Wirtschaftsregion Mittelsachsen

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit heute?

In erster Linie bedeutet es für mich den pfleglichen Umgang mit Ressourcen und die Erhaltung von Gottes Schöpfung. Was uns gegeben ist, dürfen wir nicht als selbstverständlich hinnehmen, denn nachfolgende Generationen sollen die gleiche Chance auf ein erfülltes Leben haben wie wir. Der biblische Auftrag vom „…Bebauen und Bewahren..“ gewinnt vor dem Hintergrund des Nachhaltigkeitsbegriffes wieder an Bedeutung. Daran möchte zum Beispiel am 23. Juni die TU Freiberg, gemeinsam mit der Domgemeinde Freiberg im Rahmen der Veranstaltungsreihe „300 Jahre Nachhaltigkeit“ in einem Festgottesdienst erinnern.

Welchen Bezug haben Sie als Unternehmer, Honorarprofessor und Mitglied des Beirates zum Thema Nachhaltigkeit?

Der Konvent für die Wirtschaftsregion Mittelsachsen besteht aus sieben Vertretern der  Wirtschaft und Wissenschaft des Landkreises Mittelsachsen. Er setzt den Rahmen für die Aufgaben des Regionalmanagements  mit den zentralen Themen: Standortmarketing, Technologietransfer und Fachkräfte.

Die Verzahnung von wissenschaftlicher Forschung und praktischer Tätigkeit ist ein wichtiger Baustein der Nachhaltigkeit, deshalb verbinde ich diese beiden Bereiche in  meiner Lehrtätigkeit an der TU Bergakademie Freiberg, die nicht umsonst den Titel Ressourcenuniversität trägt.

Als Geschäftsführer des Freiberger Brauhauses vertrete ich den Standpunkt nachhaltig zu wirtschaften, so dass der Kapitalstock nicht angegriffen wird, sozusagen vom Gewinn oder Mehrwert  lebt. Unser Augenmerk liegt dabei auf der Schonung aller verwendeten Rohstoffe, insbesondere von Wasser und Energie. Für die Herstellung von 1 Liter Bier werden nur 3,5 Liter Wasser benötigt. Auch beim Energieverbrauch agieren wir vorbildlich: 1 Hektoliter Bier wird in unserer Brauerei mit lediglich 20 kWh Wärme und 7,6 kWh Strom hergestellt. Der Mehrweganteil unserer Verpackungen liegt bei fast 100 Prozent.

Wie kann jeder Einzelne mit dem Thema umgehen und die Wirtschaftsregion Mittelsachsen nachhaltig stärken?

Egal ob als Unternehmer oder Privatperson, jeder sollte zum Beispiel seinen „CO2-Fussabdruck“ kennen und sich somit bewusst für ein nachhaltiges Handeln entscheiden.

Nachhaltigkeit wird nicht selten nur auf den Umweltschutz reduziert, aber gerade im sozialen wie ökonomischen Bereich sollte jeder in seinem Umfeld Sorge für eine lebenswerte Gesellschaft tragen. Globale soziale Gerechtigkeit ist hier das zentrale Thema.

Beim Einkauf sind es zum Beispiel die wiederverwendbaren, regionalen oder fair gehandelten Produkte, die es ermöglichen auch in kleinen Rahmen nachhaltig zu handeln und zu leben.

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