Zum Hauptinhalt springen

Der 36-Jährige tritt erfolgreich die Nachfolge in der Firma an, die sein Vater 1982 gründete: die Hartmann GmbH in Hainichen, die sich als Deutschlands größter unabhängiger Dienstleister im Bereich der Reinigungs- und Desinfektionsautomaten etabliert hat.

Wasser ist für zahlreiche Anwendungen in Medizin, Forschung und Industrie unentbehrlich – allerdings nicht so, wie es aus der Leitung kommt, sondern ohne all die Mineralien, die normalerweise in Wasser gelöst sind. Dieses vollentsalzte Wasser oder auch VE-Wasser, wie es in der Fachsprache heißt, ist das Metier der Hartmann GmbH aus Hainichen. Das 60-Mann-Unternehmen liefert Reinstwassersysteme, Ionenaustauscher, Laborspülmaschinen, maschinelle Instrumentenaufbereiter, Niedertemperatursterilisatoren, Dampfsterilisatoren, Ultraschallbad-Reiniger und Desinfektoren, Umkehrosmoseanlagen, Raumdesinfektionsroboter und Endoskopaufbereiter in höchster medizinischer Qualität.

Das 1982 gegründete Unternehmen war vor der Wende einer der wenigen privaten Betriebe in der DDR. Dieter Hartmann hatte damals begonnen, Reinigungs- und Desinfektionsmaschinen aus der BRD aufzubauen und den Service dafür anzubieten. Immer öfter fragten seine Kunden nach Produkten zur medizinischen Aufbereitung von Laboreinrichtungen. Dieter Hartmann schaute sich um, suchte Kooperationspartner und baute diesen Markt Stück für Stück aus. Heute ist die Hartmann GmbH Deutschlands größter unabhängiger Dienstleister im Bereich der Reinigungs- und Desinfektionsautomaten.

„Als Komplettanbieter planen und installieren wir zum Beispiel in Krankenhäusern die gesamte zentrale Wasseraufbereitung aus einer Hand – bis hin zur Verrohrung“, beschreibt Paul Hartmann, der das Unternehmen gerade von seinem Vater übernimmt. Die Nachfolge gestaltet sich reibungslos: „Mein Vater lässt mir viele Freiräume und Platz für neue Ideen. Bei schwierigen Fragen steht er mir zur Seite, wir gestalten die Zukunft unseres Unternehmens Hand in Hand“, so der 36-Jährige, der nach seinem Studium in München und den USA seinen Lebensmittelpunkt in Bayern hat und jede Woche nach Sachsen pendelt. „Ich fühle mich weder als Sachse noch als Bayer oder als Deutscher“, sagt er, „sondern als Europäer.“ Diese offene Denkweise kommt ihm bei der Unternehmensführung zugute. „Aus den USA habe ich den kalifornischen Spirit mitgebracht. Einfach mal was machen, nach vorn gehen und sehen, was daraus wird.“ Auch den Mitarbeitern gegenüber lebt er die neue Denke vor. „Ich möchte unseren Mitarbeitern gern Freiheit und Verantwortung geben. Sie dürfen selbst Entscheidungen treffen. Was zählt, ist das Ergebnis.“ Am Standort Mittelsachsen schätzt er vor allem die Qualität des Personals. „Ich bin stolz auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sie sind fleißig, kreativ, packen an und stehen immer hinter der Firma.“

Die Digitalisierung ist für den Wirtschaftsingenieur die unabdingbare Basis für ein erfolgreiches Unternehmen. „Wir führen gerade ein neues, leistungsfähiges Open Source ERP-System ein, das viele Prozesse digitalisiert und beschleunigt. Das neue Warenwirtschaftssystem bildet die Grundlage für alle anderen noch anstehenden Digitalisierungsprojekte. Meine Vision ist es, dass unsere Servicetechniker auf ihrer Kundentour ihr Handy zücken und genau sehen, was in den nächsten Tagen ansteht. Über Barcodes, Scans und digitale Unterschriften sind alle Vorgänge digitalisiert. So werden unsere Prozesse transparent und flexibel, Auswertungen werden extrem erleichtert und ständige Verbesserungen möglich.“ Auch nach außen spielt die Digitalisierung bei Hartmann eine große Rolle. „Über digitale Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn entstehen heute wertvolle Geschäftsbeziehungen“, unterstreicht Paul Hartmann.

Eigene Produkte und neue Entwicklungen schärfen das Profil des Unternehmens. Besonders stolz ist Paul Hartmann auf die in Hainichen hergestellte „HA-RO complete“, eine komplett ausgestattete VE-Wasseraufbereitungsanlage für Labors und Medizinische Versorgungszentren inklusive Enthärtung und Filter: „Anliefern, anschließen, läuft. Perfekt für geringen Platzbedarf“, bringt er die Vorzüge des kompakten Systems auf den Punkt. Ein von einem dänischen Partnerunternehmen entwickelter UV-Desinfektionsroboter ist nicht nur in der Corona-Krise ein höchst wirksames Produkt zur Raumdesinfektion. UVC-Strahlung zerstört nachweislich Viren aller Art. Nach einem zuvor erfolgten Mapping, in dem der Roboter die Raumstruktur genau erfasst, fährt er selbstständig die Räume ab und bestrahlt alle Oberflächen mit dem virenschädlichen UVC-Licht. Da der Hightech-Roboter in Europa produziert wird, ist er nicht nur sehr sicher, sondern auch schnell und kurzfristig lieferbar. Auch für die Aufbereitung von FFP2-Masken hat die Hartmann GmbH einen praktikablen und sofort einsetzbaren Lösungsansatz in Form eines Niedertemperatursterilisators, der sonst zur Reinigung von temperaturempfindlichen Instrumenten oder flexiblen Endoskopen eingesetzt wird.

So greifen die beiden Standbeine des Unternehmens perfekt ineinander: einerseits der Vertrieb und Komplettservice für Instrumente und Laborspülgeräte namhafter Hersteller wie Steris oder Miele und andererseits das reine Wasser, das dafür gebraucht wird und über die Geräte der Hartmann GmbH aufbereitet wird. Die Nachhaltigkeit ist dabei stets ein wichtiger Leitsatz. „Gerade im medizinischen Bereich werden Instrumente oft noch manuell aufbereitet“, berichtet Paul Hartmann. „Eine Automatisierung mittels Instrumentenaufbereitung hilft bei einer höheren Hygienesicherheit, die Wasserverbräuche zu reduzieren und somit auch die Nachhaltigkeit zu erhöhen. Wir versuchen unsere Kunden immer wieder von der maschinellen Aufbereitung zu überzeugen – was uns fast immer gelingt.“

Branche: Medizintechnik, Forschung und Entwicklung, Life Science, Pharma

Leistungen: Beratung, Planung, Konstruktion, Fertigung (Osmoseanlagen), Vertrieb, Montage, Kundendienst, Demontage

Produkte: Reinstwassersysteme, Ionenaustauscher, Umkehrosmoseanlagen, Raumdesinfektionsroboter, Endoskopaufbereiter, Laborspülmaschinen, maschinelle Instrumentenaufbereiter, Niedertemperatursterilisatoren, Dampfsterilisatoren, Ultraschallbad-Reiniger und Desinfektoren

Anzahl Mitarbeiter: ca. 60 deutschlandweit

Gründungsdatum: 1982

Besonderheit: Die Inhaberfamilie Hartmann ist verwandt mit den Betreibern des berühmten Café Hartmann in Freiberg. Die köstlichen Konditoreikreationen sind für Paul Hartmann immer wieder ein willkommener Grund, in seine Geburtsstadt Freiberg zurückzukehren.

Zurück zur Übersicht