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Christina Schwanitz begrüßt uns am für sie schönsten Ort der Welt: in Reinsberg in Mittelsachsen. Beine baumelnd sitzt sie am Beckenrand im Badepark und genießt die spätsommerliche Sonne. Solche Momente sind selten für die Welt- und Europameisterin im Kugelstoßen. Ihre Tage sind auf Monate im Voraus im Minutentakt geplant: Training, Wettkampf, Studium, Kinder. Denn sie ist nicht nur Sportlerin, sondern auch Studentin, Soldatin bei der Bundeswehr und Mutter von zweijährigen Zwillingen. Am liebsten genießt sie ihre kleinen Auszeiten dort, wo sie ihre Kindheit verlebte. „Hier zwischen Reinsberg und Burkersdorf bin ich über Wiesen und Felder getobt, bin auf Strohballen geklettert und mit dem Fahrrad ins Bad gefahren. Das Landleben hat mich geprägt.“ Für ihre Kinder wünscht sie sich, dass sie genauso unbeschwert aufwachsen können wie sie. Ihr Traum ist es, ihr Elternhaus so auszubauen, dass sie mit ihrer ganzen Familie darin wohnen kann. Es ist ein typisches Haus für das mittelsächsische Land, mit roten Dachziegeln und einer knarzenden Holztreppe. „Hören Sie das Geräusch?“, fragt sie und hüpft lachend die Stufen hinauf. Das Schönste an diesem Ort ihrer Kindheit ist für sie der Garten. Ein alter Kirschbaum wirft seinen Schatten auf eine weite Wiese, darunter blühen duftende Rosen. „Hier finde ich meinen Weltfrieden“, sagt sie und schnuppert genüsslich an der Blüte. Doch dann muss sie sich sputen, die „Krümel“, wie sie ihre Kinder liebevoll nennt, warten in der Kita. Ein eigener Kindergarten – das ist auch so ein Traum von Christina Schwanitz. „Ich möchte einen Kindergarten eröffnen, der Sport und Knigge verbindet. Der es mit großzügigen Öffnungszeiten auch Alleinstehenden ermöglicht, sich beruflich zu verwirklichen. Und der den Kindern einen ruhigen, gut strukturierten Alltag bietet. Damit möchte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben – am liebsten in Kinderhände.“ Um diesem Ziel ein Stück näherzukommen, studiert die Weltklassesportlerin, die als Sportsoldatin in Frankenberg ihren Dienst leistet, an der Hochschule Mittweida Soziale Arbeit und Pädagogik. Die mittelsächsische Hochschule ist Partnerhochschule des Spitzensports und bietet der Kugelstoßerin perfekte Rahmenbedingungen, um Sport und Studium zu verbinden. Zweimal täglich fährt Christina Schwanitz in der Vorlesungszeit zwischen Trainingsplatz und Hochschule hin und her. Die persönliche Präsenz ist ihr wichtig. In Praktika sammelt sie wertvolle Erfahrungen. „Ich will, dass es allen Kindern gut geht. Denn alle Kinder sind wichtig! Wenn ich dafür mit meinem Namen etwas bewirken kann, setze ich mich mit voller Kraft dafür ein.“ So wie als Schirmherrin des Lukas Stern e. V., der Kindern einen letzten Wunsch erfüllt. Oder als Organisatorin und prominente Teilnehmerin des Benefiz-Kugelstoßens im mittelsächsischen Hetzdorf, wo sie selbst als Jugendliche trainierte. Für jeden gestoßenen Meter geht ein Euro an den Kinderschutzbund in Freiberg. „Ich finde es großartig, wenn ich durch meinen Sport etwas bewegen kann“, sagt sie. „Ich freue mich, wenn Menschen auf mich zukommen und sagen, dass sie es mitreißend und begeisternd finden, mir beim Kugelstoßen zuzusehen.“ Wie sie zum Kugelstoßen kam? „Als wir es in der Schule dran hatten, habe ich gleich weiter gestoßen als alle Jungs aus meiner Klasse. Meinen ersten Wettbewerb habe ich mit fast fünf Metern Vorsprung gewonnen“, erinnert sie sich. Das Talent ist ihr in die Wiege gelegt, der Rest sind harte Arbeit, Disziplin und klare Entscheidungen. Auch ihren Mann hat sie dank ihrer erfrischenden Art über den Sport gefunden. „Er hat mich bei den Olympischen Spielen im Fernsehen gesehen und mich einfach angeschrieben“, erzählt sie mit ihrem herzlichen, kräftigen Lachen. „Jetzt sind wir verheiratet und haben zwei wunderbare Kinder. Verrückt, oder?“ Dass es Zwillinge geworden sind, hat sie übrigens kaum überrascht: „Bei uns ging es nie geradeaus. Das Leben hat immer mal einen Blinker gesetzt“, schmunzelt sie. Doch sie nimmt Herausforderungen gerne an. „Den Willen ersetzt nichts“, sagt die Frau mit der Schuhgröße 46, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Als Sportlerin, Soldatin, Studentin und Mutter. Hier in Mittelsachsen.

Welche sportlichen Erfolge sind für Sie emotional am wertvollsten?

Meine erste Goldmedaille bei der Hallen-EM 2013 in Göteborg, meine Silbermedaille bei der WM in Moskau 2013, die ich mir im letzten Versuch erkämpft habe, dann natürlich auch das WM-Gold in Peking 2015 und als ich 2011 zum ersten Mal Deutsche Meisterin wurde ... eigentlich waren fast alle Wettkämpfe emotional unschlagbar.

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