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Denis Mußdorf: Die Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT gibt es jetzt seit vielen Jahren im Landkreis Mittelsachsen. Wie ist es zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit darin gekommen? Warum engagieren Sie sich gerade im Feld der Berufliche Orientierung? Kerstin Wilde: Der Vorteil der Oberschule ist, dass sie berufsvorbereitende Schulart ist und dass Lernende sich Lerninhalte immer am besten einprägen, wenn sich die Sinnhaftigkeit des Gelernten mit dem Praxisbezug verbindet. Die Entwicklung der Berufswahlkompetenz unserer Schüler lag mir schon immer am Herzen. Wichtig ist mir, dass Jugendliche gute Ausbildungsplätze in der Region bekommen. Und ich weiß, wir sind mit unserer Wirtschaft super aufgestellt. So bin ich als Schulleiterin auf den regionalen Arbeitskreis zugegangen mit Vertretern des BO-Teams der Schule. Im Jahre 2014 hat mich dann Martina Kilian gebeten, zu einer Veranstaltung mit ins Landratsamt zu kommen. Da ist es passiert… und es war eine Zeit, in der angehende Auszubildende noch weniger offene Stellen zur Auswahl hatten. Ich engagiere mich, weil ich eine Verantwortung dafür spüre, welche beruflichen Wege unsere Schulabgänger nach der Schule mit Entschlossenheit gehen und damit Ausbildungsabbrüchen vorgebeugt werden kann. Und die Zusammenarbeit im Arbeitskreis mit den Menschen und mit den Vertretern, die unwahrscheinlich viel Kraft und Zeit investieren, macht einfach Spaß und ist für mich als Schulleiterin immer wieder bereichernd. Und wenn so viele mitziehen, macht man das gern. Denis Mußdorf: Was konnte mithilfe der Netzwerke in den letzten Jahren aufgebaut werden? Kerstin Wilde: Die Verzahnung i. S. von Netzwerkarbeit zwischen Unternehmen und Schulen ist enger und zielführender geworden. Veranstaltungen, wie „Schule macht Betrieb“ oder die „Woche der offenen Unternehmen“ sind mit der Expertise und vor allem mit dem ehrenamtlichen Engagement von Vertretern der Wirtschaft und der Schulen immer weiter gereift, was der Zielgruppe, den Schülern aller Ober- und Förderschulen sowie der Gymnasien zugutekommt. Die Eltern bringen sich über den Kreiselternrat ein. Die IHK, HWK und die Agentur für Arbeit in den Arbeitskreisen zu haben, ist sehr wertvoll. Ab 2014 kamen an den Oberschulen die Praxisberater ins Netzwerk hinzu. Damit wurden die Verbindungen zwischen Schulen und Unternehmen noch spezifischer, vor allem für Jugendliche Klassen 7/8. Denis Mußdorf: Die Corona-Pandemie hat in allen Bereichen der Gesellschaft Spuren hinterlassen. Welche Auswirkungen gibt es auf die Berufsorientierung an Ihrer Schule? Kerstin Wilde: Wenn ich auf die Berufswahlkompetenz schaue, dann haben wir die stärksten Auswirkungen bei Abschluss- und Vorabgangsschülern, die ohne Betriebspraktika kaum Chancen haben, sich in der Praxis auszuprobieren. Auch den Firmen fehlen die Praktikanten. Großartig war, dass wir es mit den Vertretern der Arbeitskreise und der GIZEF im letzten Jahr geschafft haben, die Messen „Schule macht Betrieb“ in Präsenz und einem super Hygienekonzept durchzuführen. Gleichermaßen bot die Pandemie auch eine Chance: vielen Unternehmen ist es gelungen, ihre Berufe, Tätigkeitsfelder und Produktionsstrecken virtuell an den Schüler zu bringen und das bis zum direkten persönlichen Kontakt mit einem Personalchef. Das hat auch die Selbstkompetenz der Jugendlichen gestärkt, denn im Online-Setting muss man sich trauen zu sprechen, zu fragen und den Blick mit der Kamera auszuhalten. Virtuelle BO- Angebote haben auch in Zukunft gute Aussichten in der Berufsorientierung mit dem Praxisberater und im WTH-Unterricht Anwendung zu finden. Denis Mußdorf: Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf im Bereich der Beruflichen Orientierung und wie können die Probleme angegangen werden. Kerstin Wilde: Der größte Handlungsbedarf wird auf uns zukommen, wenn die Pandemie uns losgelassen haben wird. Wir werden sehen, welche Unternehmen noch da sind. Da gibt es große Sorgen, dass Gastronomie als Ausbildungsstätte zu wenig vorhanden sein könnte. Wir werden reden müssen, was Wirtschaft von einem Schulabgänger an Wissen verlangt, was da sein kann in Anbetracht der Schulschließungen, reduzierten Lehrplaninhalten und wie es in der Ausbildungszeit gelingen kann - ähnlich wie an den Oberschulen auch - Förderprogramme zu installieren, um die berufsschulische Ausbildung zu bewältigen, sodass die Azubis als exzellente Facharbeiter in den Unternehmen Fuß fassen können. Ganz schnell brauchen wir wieder stattfindende Praktika und das während der Schulzeit, um im Unterricht und in Gesprächen mit den Praxisberatern und Berufsberatern die Ergebnisse des Praktikums zu reflektieren. Denis Mußdorf: Was sagen Sie Mittelsachsen, die sich im Bereich der Beruflichen Orientierung engagieren wollen? Kerstin Wilde: Haben Sie Lust Zukunft mit- und gemeinsam zu gestalten? Dann sind Sie mit Ihrem Engagement genau richtig. Es ist so spannend und wertvoll Maßnahmen der Berufsorientierung für den Übergangs Schule - Arbeitswelt für und mit jungen Menschen in nachhaltigen Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen zu gestalten und das mit Blick auf eine sich rasant entwickelnde Arbeitswelt.

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